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Bidsina Iwanischwili

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POLITIK
2013-03-29
Russlands Pate
 

Boris Beresowski war lange einer der mächtigsten Männer Russlands. Er kontrollierte große Teile der Wirtschaft und der Politik. Die 1990er Jahre waren seine einflussreichste Zeit, aber seine Entscheidung Wladimir Putin zum Nachfolger von Präsident Boris Jelzin zu machen, war sein Untergang. Am 23. März 2013 verstarb Beresowski in seinem Exil bei London. Ein Hintergrundartikel von Stefan Bernhardt

Im letzten Jahrzehnt profilierte Bersowski sich als Kreml-Kritiker ebenso wie einer der schärfsten Kontrahenten Putins. Das politische Asyl des Oligarchen in Großbritannien sorgte für eine politische Eiszeit zwischen Moskau und London. Der Multimilliardär war kein aufrechter Demokrat oder Liberaler, wie er sich selbst sowie einige Medien ihn gern hinstellten. Beresowski war ein Oligarch, der wie kaum ein anderer sowohl die russische Bevölkerung als auch den russischen Staat aus Profitgier ausbeutete. Korruption, Gier und Intrigen sollen seine Hinterlassenschaft sein.

Oligarch der Oligarchen

Wie viele nutze Beresowski die Wirren des Zusammenbruchs der Sowjetunion zu seinem eigenen Vorteil und errichtete sich in den 1990er Jahren ein großes Wirtschaftsimperium. Dazu gehörten unter anderem große Konzerne, wie der größte russische Autohersteller AwtoWAZ mit der Marke Lada, die Fluggesellschaft Aeroflot oder der Fernsehsender ORT, aber auch der Ölkonzern Sibneft.

Wie der ermordete US-Journalist Paul Klebnikow in seinem Buch Der Pate des Kreml – Boris Beresowski und die Macht der Oligarchen aufzeigt, ging es dabei, wie bei den anderen Oligarchen, oft illegal zu. Blickt man heute in die 90er Jahre wird das Ausmaß des Schadens für die russische Bevölkerung, den Beresowski zugefügt hat, um sich zu bereichern, ersichtlich. Löhne wurden nur selten bezahlt, die Unternehmen ausgeschlachtet anstatt in sie zu investieren, die Menschen verarmten bitterlich, während andere sich auf ihre Kosten bereicherten und ihnen damit teilweise fast nichts mehr zum Leben überließen. Beresowski spielte dabei ganz vorne mit, ihm reichte dies alles jedoch nicht aus, weswegen er begann, seine Wirtschaftsmacht politisch auszuspielen, um sich weiter zu bereichern.

Eingriff in die Politik

Politisch gehörte Beresowski zum Jelzin-Clan. Im Kreml trat er als „graue Eminenz“ auf, welche keine großen politischen Ämter inne hatte, aber zum inneren Zirkel gehörte und die Fäden im Hintergrund zog. Zwar unterstützte er Jelzin, allerdings eher aus eigennützigen Zwecken. Für den Jelzin-Clan dagegen war er der wichtigste Verbündete. Nicht nur wegen seiner Wirtschaftskraft, sondern aufgrund seiner Medienunternehmen.

Deutlich wurde dies bei der Wiederwahl von Jelzin 1996. Vor der Präsidentschaftswahl waren Jelzins Umfragewerte bei lediglich vier Prozent. Beresowski und andere Unternehmer taten sich zusammen, um die drohende Niederlage von Jelzin zu verhindern, der mit den damaligen Verhältnissen ihnen ihre Vermögen sicherte. Mit einer massiven Medienkampagne von wenigen Monaten schafften sie es, Jelzin von vier Prozent in die Stichwahl zu bringen und letztlich auch zum Sieg über Alexander Lebed. 1999 nutzte er seine Medienmacht erneut aus. Bei den Wahlen zur Staatsduma führte seine massive Medienkampagne dazu, dass der Sieg vom Wahlblock Vaterland, welchen der Moskauer Bürgermeister Juri Luschkow und der ehemalige Außenminister Jewgeni Primakow anführten, verhindert wurde.

Nur ein Fehler

Beresowskis Position war Ideal. Er konnte seine unternehmerischen Tätigkeiten ausbauen und war politisch zu einflussreich, um verdrängt zu werden. Dennoch musste er sich der Realität stellen. Jelzin war Alkoholiker sowie gesundheitlich Angeschlagen. Ferner konnte er gemäß der Verfassung nicht sofort Wiedergewählt werden. Wenn Beresowski seine Position halten wollte, musste er einen Nachfolger finden, den er ebenso gut beeinflussen konnte wie Jelzin, welcher aber ebenso den Jelzin-Clan schützte. Es sollte weitergehen wie bisher.

Seine Wahl fiel auf den damaligen, noch relativ neuen Chef des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB. Einer der Befehle befolgen konnte, scheinbar keine eigenen Machtambitionen hatte, in keine Intrigen oder Machtspiele verwickelt war, loyal war und lediglich seiner Arbeit nachging. Der perfekte Kandidat, der zudem – im  Gegensatz zu Jelzin – jung, gesund, stark sowie diszipliniert nach außen wirkte. Es handelte sich dabei um Wladimir Putin. Putin wurde erst 1998 FSB-Direktor und bereits 1999 als Regierungschef in Position gebracht, um Jelzin zu ersetzen, was im selben Jahr auch geschah. 2000 wurde er bei den Wahlen schließlich zum Präsidenten gewählt – mit der Unterstützung von Beresowski und dem Jelzin-Clan. Wie sich dann herausstellte, war Putin nicht loyal gegenüber dem Jelzin-Clan. Ebenso wenig war er ein schlichter Befehlsempfänger. Er nutzte seine Präsidentschaft, um die alten Eliten wie Beresowski zu entmachten. Nicht nur im Kreml fand intern eine Revolution statt, sondern die Oligarchen wie Beresowski verloren außerdem zahlreiche ihrer Unternehmensanteile an den Staat.

Am Ende?

Bereits 2000 floh Beresowski nach London und bat um politisches Asyl, welches ihm 2003 gewährt wurde. Er gab jedoch nicht auf. Im Laufe der Jahre versuchte er sich trotz seiner Vergangenheit als Demokrat zu inszenieren, wobei er sich als scharfer Putin-Gegner profilierte. Seine Unternehmensanteile gingen meist in Staatshand über wie beispielsweise seine Medienunternehmen und Aeroflot. Aus seinem Exil heraus versuchte er bis zu seinem Tod mit seinem Vermögen wieder an Einfluss zu gewinnen, wie durch neue TV-Sender in Russland. Putins Handstreich gegen den Jelzin-Clan war aber innerhalb kurzer Zeit so effektiv, dass Beresowski keine Möglichkeit besaß, dies zu ändern.

Er wurde zudem von der russischen Justiz wegen Unterschlagung von Geldern bei AwtoWAZ verfolgt. Allerdings wurde auch in der Schweiz ebenso wie in Brasilien gegen Beresowski wegen Geldwäsche ermittelt. Am schwersten wog jedoch der Verdacht, er sei 2004 an dem Mord an dem US-Journalisten Klebnikow beteiligt gewesen, dieser veröffentlichte 2001 das Buch Der Pate des Kreml – Boris Beresowski und die Macht der Oligarchen und zeigte, wie oben erwähnt, die korrupten sowie mafiösen Strukturen von Beresowski auf. Nach seinem tiefen Fall durch Putins Machtübernahme soll er sich, laut der britischen Polizei, schließlich am 23. März 2013 selbst in seinem Bad erhängt haben, ohne eine Fremdeinwirkung von außen. Der Grund sollen Depressionen, Geldprobleme und die Trennung von seiner Frau sein.