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Islam Abduganijewitsch Karimow

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UMWELT
2012-03-01
Klimawandel auf Russisch
 

Die Meinung, dass der Klimawandel in Russland nicht nur Nach-, sondern auch Vorteile bringt, hält sich teilweise bis heute. Die globale Erwärmung wird vor allem Sibirien hart treffen, doch bedeutet der Klimawandel tatsächlich auch Positives für Russland? Ein Hintergrundartikel von Stefan Bernhardt

Umweltschutz sowie Klimawandel stehen nicht ganz oben auf der Prioritätenliste des Kremls, aber auch in der russischen Bevölkerung ist das Umweltbewusstsein wenig verbreitet. Russland kommt als drittgrößter Treibhausgasemittent der Welt bei der Eindämmung des Klimawandels eine wichtige Rolle zu. Ein oberflächlicher erster Blick mag ein Gleichgewicht von positiven und negativen Folgen des Klimawandels in Russland suggerieren. Etwas genauer betrachtet entspricht dies jedoch nicht der Wirklichkeit.

Mehr als nur ein Temperaturanstieg

 
Schiefe Bäume durch den aufweichenden Boden

Wladimir Putin soll einmal scherzhaft bemerkt haben, es sei gut, wenn die Temperaturen steigen – so müsse im Russischen Winter nicht mehr so viel geheizt werden. Die Erhöhung der durchschnittlichen Temperatur wird jedoch massive Folgen für die russische Natur mit sich bringen: Überschwemmungen, Stürme ebenso wie Waldbrände werden immer häufiger auftreten, auch der russische Permafrost könnte stark unter den steigenden Temperaturen leiden, indem die Gebiete mit ständigen Permafrost weiter nach Norden verdrängt werden können. Am deutlichsten wird die Veränderung der Umwelt an der Verschiebung der Landschaftszonen erkennbar sein. Diese wandern stetig nach Norden – die Tundra wird zur Taiga, Steppen werden zu Wüsten. Die Folgen für die russischen Ökosysteme mit ihrer Artenvielfalt sind kaum abzuschätzen.

Nicht nur die Natur ist in Russland vom Klimawandel betroffen, sondern gleichsam die Menschen. Sowohl mehr Überschwemmungen als auch steigende Temperaturen können zu größeren Ertragsschwankungen in der Landwirtschaft führen. Am deutlichsten werden wahrscheinlich die Folgen des Schmelzens des Permafrostes in einigen Gebieten sein, welche sich direkt auf die Infrastruktur des Landes auswirken. Es geht dabei nicht nur um den Wegfall einiger Eisstraßen im Norden, sondern um die Folgen des aufweichenden Bodens. Gebäude, die nicht auf Betonpfeilern ruhen, werden sich stark verziehen, dies wird auch Straßen betreffen, die in den Boden einsinken. Eine besonders schwerwiegende Folge betrifft die russischen Pipelines für Öl und Erdgas- Russlands Haupteinnahmequelle. Sie werden durch einen schmelzenden Permafrostboden in einigen Gebieten Schäden davon tragen. Im schlimmsten Fall werden einige von ihnen bersten und somit unberechenbare Umweltkatastrophen hervorrufen. Die entsprechenden Gegenmaßnahmen in all diesen Bereichen würden den russischen Staat Milliarden von US-Dollar kosten.

Glück im Unglück?

Einige Veränderungen könnten eine positive Wirkung haben, obwohl so etwas große finanzielle Mittel fordern würde. Die steigenden Temperaturen sorgen unter anderem für einen Rückgang des Eises in der Arktis, dadurch könnte der Zugriff auf neue Rohstoffvorkommen gelingen. Dies ist einer der Gründe, weshalb in den letzten Jahren ein Wettrennen um die Besitz- und Nutzungsrechte der Arktis ausgebrochen ist. Russland und Kanada nehmen dabei eine zentrale Rolle ein. Außerdem werden die Perioden in denen die Gewässer der Arktis für Schiffe befahrbar sind, länger. Der Klimawandel könnte sowohl die Nord-West-Passage als auch die Nord-Ost-Passage befahrbar machen. Die Handelswege zwischen dem Westen und Asien verkürzten sich damit und würden den Handel nicht nur schneller, sondern auch billiger machen, wovon Russland sich neue Einnahmen verspricht.

Gleichsam wie die russischen Handelswege vom Klimawandel profitieren, soll die Landwirtschaft ebenfalls ihre Erträge steigern können. Die Wanderung der Landschaftszonen sorgt für eine Verschiebung der Anbauflächen Richtung Norden. Diese nähmen zu und die steigenden Temperaturen könnten für eine Verlängerung der Wachstumszeiten sorgen. Theoretisch sollte das zu einer Vergrößerung des Ernteertrages führen. Russische Bauern wären daher in der Lage mehr Nahrung anzubauen, welche dann sowohl den heimischen Markt als auch ausländische Märkte versorgen könnte.

Alles hat seinen Preis

Was bei dieser Auflistung der Vorteile meist verschwiegen wird, ist die Tatsache, dass nichts von allein, wie durch eine magische Hand, geschieht. Die Nutzung dieser positiven Effekte des Klimawandels verlangt massive Investitionen in Milliardenhöhe. Das Eis der Arktis geht bei steigenden Temperaturen zurück, doch um die Rohstoffe zu fördern, muss erst eine entsprechende Infrastruktur geschaffen werden. Die neuen freiwerdenden Handelswege für die Schifffahrt bedürfen Investitionen, denn Häfen, die für diese Art der Nutzung der Wasserstraßen ausgelegt sind, gibt es noch nicht. Das gleiche gilt für die Ertragssteigerung in der Landwirtschaft. Die neuen Nutzflächen müssen zunächst erschlossen werden, auch hier müssten Investitionen in die Infrastruktur aufgebracht werden.

Die negativen Aspekte dürften dabei ebenso wenig außer Acht gelassen werden. Mehr Überschwemmungen oder Waldbrände kosten Menschenleben und hinterlassen eine Schneise der Zerstörung. Die Waldbrände der letzten Jahre in Russland haben das Land sowie seine Einwohner schwer getroffen. Welche Auswirkungen eine Häufung dieser Naturkatastrophen hätte, kann man sich vorstellen. Die Infrastrukturschäden infolge des Schmelzens des Permafrostes werden ebenfalls neue Investitionen zu deren Behebung erfordern. Der Klimawandel wird nicht nur weitreichende Folgen für Russlands Natur und Bevölkerung haben, sondern auch sehr teuer für den Kreml werden - somit verpuffen die vermeintlichen Vorteile.