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Alexander Ryhorawitsch Lukaschenko

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UMWELT
2012-03-01
Mehr Umweltschutz im Alltag
 
Angelina Davydova

Der Müll landet unsortiert in einer Tonne, der Herd wird als Heizung benutzt und seit dem Rückzug bei der UNO-Klimakonferenz in Durban im Dezember 2011 wirkt Russland in Sachen Umweltschutz untätiger denn je. Das Russisch-Deutsche Büro für Umweltinformation RNEI will das ändern – und trifft vor allem den Nerv junger Großstädter. Ein Bericht von Carina Huppertz

Angelina Davydova hat nicht viel Zeit, die 33-jährige Petersburgerin ist gerade aus Deutschland zurückgekehrt. Dort hat sie an einer Diskussion des Deutsch-Russischen Austauschs (DRA) in Berlin über die Wahlen in Russland teilgenommen. Zurück in Sankt Petersburg erwartet sie eine Menge Arbeit. Neben ihrem Job beim DRA schreibt sie nicht nur für diverse russische und deutsche Medien, sondern lehrt auch an der journalistischen Fakultät der Staatlichen Universität Sankt Petersburg. Parallel leitet sie noch das Russisch-Deutsche Büro für Umweltinformation, RNEI.

„Das größte Problem beim Umweltschutz ist das mangelnde Interesse an diesem Thema“, so Davydova. Das 2009 gegründete RNEI, ein Projekt des Deutsch-Russischen Austauschs, setzt deshalb vor allem bei der Bewusstseinsförderung und Bildung an. Der Schwerpunkt des Büros liegt auf der Ausbildung von Journalisten im Bereich des Umweltjournalismus, es will sich aber nicht allein darauf beschränken. Es unterstützt vor allem andere Projekte und Initiativen und bezieht Experten in seine Arbeit ein. Seit Dezember 2010 pflegen die drei ständigen Mitarbeiter des RNEI in Moskau, Sankt Petersburg sowie Berlin das Informationsportal RNEI.ru / RNEI.de auf Russisch und Deutsch. Angelina Davydova betont die zivilgesellschaftliche Rolle des RNEI. Es gehe nicht darum, direkt auf politische Strukturen Einfluss zu nehmen. „Umwelt- und Klimaschutz soll ein selbstverständlicheres Thema in Russland werden.“

Ein Thema, das zu mir persönlich sprach

Über Lebenskunst in Russland

Die Idee zu dem Projekt entstand aus zwei Richtungen. Einerseits sprach Grigory Pasko, ein bekannter Umweltjournalist und Blogger aus Moskau, den Deutsch-Russischen Austausch in Berlin im Jahr 2008 auf ein solches Projekt an. Andererseits hatte Davydova, die zu dem Zeitpunkt für den DRA Projekte ebenso wie den Journalistenaustausch betreute, sich auf russischer Seite bereits in Sachen Umweltschutz engagiert. „Ich war sechs Jahre lang im Journalismus tätig. Irgendwann dachte ich, dass es auch noch etwas anderes geben müsste“, erklärt Davydova ihre Motivation. „Umweltschutz – das war ein Thema, das zu mir persönlich sprach.“

Das Hauptaugenmerk des Büros liegt auf der Unterstützung anderer Initiativen. Eigene Projekte gibt es eher selten. „Dafür sind wir gar nicht genügend Mitarbeiter“, sagt Davydova. Erst im August war Sankt Petersburg Nebenschauplatz der Berliner Konferenz Über Lebenskunst, die Kunst und Umweltschutz miteinander zu vereinen suchte. Besonders mit Deutschland ist die Kooperation Russlands sehr eng. „Deutschland ist in Europa einfach Russlands wichtigster Partner, sowohl wirtschaftlich und politisch als auch im zivilgesellschaftlichen Bereich“, so Angelina Davydova. In Sachen Umweltschutz nimmt Deutschland eine Vorbildrolle ein – wenn auch nicht alles einfach übernommen werden soll. „Wir müssen natürlich hinterfragen, was für uns in Russland umsetzbar und auch brauchbar ist. Es macht keinen Sinn, bloß alles zu kopieren.“

Eine neue Epoche in Russland

Davydova ist der Meinung, dass in Russland bereits ein Wandel stattgefunden hat. Sie teilt zivilgesellschaftliches Engagement in ihrem Heimatland in zwei Etappen ein. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion waren im neugegründeten Russland der frühen 1990er Jahre die meisten Initiativen von außen geschaffen worden und erfuhren nur wenig Unterstützung aus dem Volk. Seit ungefähr zwei Jahren sei das anders. „Die Menschen gründen jetzt selber Initiativen“, erklärt sie. „Und die meisten davon betreffen den Umwelt- oder Klimaschutz.“

Vorrangig in Großstädten wie Moskau, Sankt Petersburg oder Jekaterinburg beginnen Russen, sich mit ihrer Lebensweise auseinanderzusetzen. Nachhaltigkeit und gesundes Leben werden thematisiert – hauptsächlich von jungen Leuten. Angelina Davydova erklärt sich die Entwicklung so: „Sie reisen viel mehr, als es früher üblich war. Außerdem gibt es das Internet. Durch den Austausch mit anderen Ländern wird das Interesse an Umweltthemen gefördert.“ Die jungen Leute unterstützen sich gegenseitig. So ist mittlerweile ein Netz von Initiativen entstanden. Angelina erzählt vor allem über ECOWIKI, ein in Moskau gegründetes Internetportal. Es sammelt und bündelt Informationen über alle Umwelt-Initiativen in Russland.

Hauptsächlich junge Menschen erreicht

 
Über Lebenskunst Festival in Russland

Davydova weiß, dass die Wirkung ihrer eigenen Arbeit oft schwer einzuschätzen ist. „Wir arbeiten mit dem Bewusstsein der Menschen, wie will man Bewusstsein messen?“ Sie weiß auch, dass sie mit ihrer Arbeit nicht die ganze Bevölkerung anspricht. Ihre Zielgruppe ist im Alter von 15 bis 40 Jahren. Ein merkbarerer Erfolg war für sie aber im Anschluss an die Klimakonferenz in Kopenhagen im Dezember 2009 erreicht. Das RNEI hatte sechs russische Journalisten dorthin geschickt. Im Anschluss, so Davydova, erschien bei RIA Nowosti, einer der größten Nachrichtenagenturen Russlands, eine nie dagewesene Zahl an Beiträgen über das Thema, ebenso bei der Zeitung Kommersant. Mittlerweile schicken beide Medien eigene Korrespondenten zu solchen Veranstaltungen.

Im Dezember 2011 war Davydova selbst als Korrespondentin auf der UNO-Klimakonferenz in Durban. Russland hat dort vor allem durch seine Verweigerung neuer Verpflichtungen auf sich aufmerksam gemacht. Das Hauptargument der russischen Delegation war, dass auch die USA und China keinerlei Verpflichtungen übernähmen. Damit vertreten die im Kyoto-Protokoll verpflichteten Länder lediglich 30 Prozent der globalen Treibhausgas-Emissionen. „Natürlich wäre es besser gewesen, Russland wäre aktiv dabei geblieben“, kommentiert Davydova diese Entwicklung. Da die Verhandlungen noch nicht abgeschlossen seien könne sich jedoch vielleicht noch etwas ändern. Wie die Entscheidung auch ausfallen mag – ihre eigene Arbeit betrifft dies nicht. Angelina Davydova ist sich sicher: „Damit wirklich etwas geschieht, muss sich in den Köpfen der Menschen etwas ändern.“

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Bild- und Nutzungsrechte

Artikelnutzung

1. Bild: Carina Huppertz / alle Rechte vorbehalten

2. Bild: Über LebensKunst (Nutzungserlaubnis durch RNEI)

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