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Wiktor Fedorowitsch Janukowitsch

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UMWELT
2012-03-01
Russlands Umweltprobleme
 

Der Klimawandel ist in Russland kein populäres Thema, mit dem sich eine breite Masse auseinandersetzt – obwohl er Sibirien und damit die russische Umwelt empfindlich treffen wird. Vielleicht sind die Folgen des Klimawandels für die Russen auch nicht so wichtig, weil die aktuellen Umweltprobleme die Menschen bereits heute stark beeinflussen. Ein Hintergrundartikel von Stefan Bernhardt

In den Top Ten der weltweit am meisten verseuchten Gebiete ist Russland mit Dserschinsk und Norilsk in einer Studie von 2007 gleich zweimal vertreten. Sicherlich können diese beiden Regionen als Extreme angesehen werden, aber auch anderswo haben die Giftstoff-Werte in der Umwelt längst den Punkt überschritten, an dem über Gegenmaßnahmen nachgedacht werden sollte. In vielen Regionen besteht dringender Handlungsbedarf. Der russische Staat wacht nur langsam auf und das lediglich aus rein ökonomischen Gründen. Russische NGOs sowie Bürgerinitiativen nahmen daher längst das Heft in die Hand.

Schuldige Industrie

Die größten Umweltsünder in Russland sind, wie in den meisten Ländern, die Industrien. Sie missachten meist die gesetzlichen Auflagen und schädigen damit sowohl Umwelt als auch die Menschen in den betroffenen Regionen. Die Anwohner sind sich meist nicht darüber im Klaren, wie schädlich die in Luft oder Gewässer abgelassenen Stoffe wirklich sind. In Krasnojarsk stellte die NGO Grüne Patrouille letztes Jahr fest, dass ein dort ansässiges Aluminiumwerk der Firma RusAl krebserregende Stoffe in die Luft bläst – und zwar jenseits aller Grenzwerte. Chemische Abfälle leitet die Industrie dort ebenfalls direkt in den Jenissej einer der längsten Flüsse Russlands.

Ein weiteres bekanntestes Beispiel ist der Baikalsee mit dem dortigen Zellulosewerk. Es ist eine alte Anlage, gebaut in den 1960er Jahren. Hier werden über ein undichtes Auffangbecken ebenfalls giftige Stoffe direkt in den See geleitet, die das komplette Ökosystem bedrohen. Im Jahr 2010 durfte das Werk wieder in Betrieb genommen werden, entgegen aller Proteste von Umweltaktivisten. Vor allem die Rolle des Werkes als alleiniger Arbeitgeber, Strom- und Wärmelieferant der Stadt Baikalsk machten es den Gegnern besonders schwer. Die mehr als 10.000 Einwohner, der in sowjetischen Zeiten gegründeten Stadt, sind auf das Werk angewiesen. Hier ging es also nicht mehr nur um den üblichen Konflikt zwischen Umweltschutz und der Wirtschaftlichkeit eines Unternehmens, vielmehr nahm man den Umweltschutz als vermeintliche Bedrohung für die soziale Existenz einer ganzen Stadt wahr.

Naturkatastrophen häufen sich

Das Thema globale Erwärmung ist in Russland nicht prioritär. Die Auswirkungen des Klimawandels sind allerdings bereits heute spürbar. Die Waldbrände 2010 beschäftigten nicht nur die russischen Medien, sondern machten weltweit Schlagzeilen. Moskau versank damals unter einer dicken, kaum einzuatmenden Smogdecke. 1,2 Millionen Hektar Wald verbrannten mit Sicherheit – weil nicht alle Brände gemeldet wurden, gehen die russischen Behörden aber von einer noch weitaus größeren Fläche aus.

Die steigenden Temperaturen bringen weitere Probleme mit sich, wie das Schmelzen des Permafrostbodens. Der aufweichende Boden wird Häuser, Gebäude, Straßen, Pipelines und weitere Anlagen beschädigen. Die Infrastruktur wird Milliarden benötigen, um in den kommenden Jahrzehnten diesem Effekt entgegenzuwirken. Für die Umwelt bestehen vor allem Gefahren durch beschädigte Pipelines. Das russische Pipelinenetz bedarf bereits jetzt einer Modernisierung, da sich Umweltkatastrophen aufgrund des Berstens alter Pipelines häufen. Ein aufweichender Boden könnte so etwas noch verschlimmern und viele Gebiete mit Erdöl und Gas verseuchen.

Ineffizienter Staat und Wirtschaft

 

Grundsätzlich sind die Umweltprobleme Russlands lösbar. Wie so oft mangelt es dem Land nicht an Gesetzen, sondern an deren Umsetzung. Diese scheitert häufig an mangelnden finanziellen Mitteln für Projekte oder an entsprechenden Subventionen für „grüne“ Technologien. Am schwersten dürfte die Korruption wiegen, denn die meisten Umweltprobleme verstoßen bereits gegen geltendes russisches Recht. Korrupte Kontrollbehörden sowie eine korrupte Justiz machen es Unternehmen einfach, Gesetze zu missachten.

Viele Umweltprobleme resultieren außerdem aus einem Mangel an Investitionen in neue, moderne Anlagen. Einsparung von Energie und effizientere Industrieanlagen, welche weniger Abfälle produzieren, sind in den meisten Branchen notwendig. Hier wären Gelder sowohl von den Besitzern als auch von ausländischen Investoren wichtig, die eine Modernisierung der russischen Wirtschaft vorantreiben. Dies wäre nicht nur eine wirtschaftlich kluge Investition, sondern auch ökologisch wertvoll.

Auf dem Weg der Besserung?

Dennoch, nicht alles verläuft schlecht in Russland. Positive Entwicklungen finden bereits statt, auch, wenn sie nicht mehr als ein Anfang sind. Trotz der Korruption, unausgereifter Instrumente und der schwierigen Umsetzung, hat der russische Staat wichtige Grundsteine gelegt. Sowohl mit der Klimadoktrin als auch mit dem Energiegesetz aus dem Jahr 2009 ignoriert sie die negativen Folgen des Klimawandels nicht mehr. Das Energiegesetz soll darüber hinaus der Energievergeudung ein Ende setzen, bis 2020 sollen 40 Prozent weniger Energie verschwendet werden. Die ersten Regulierungen existieren also, deren Umsetzung bleibt abzuwarten.

Etwas Unterstützung verspricht der WTO-Beitritt Russlands. Der russische Markt wird zwar erst langsam in den kommenden sieben Jahren bis 2019 geöffnet werden, doch der Druck steigt schon jetzt. Die Wirtschaft wird sich modernisieren und ihre Ineffizienz, insbesondere beim Stromverbrauch, beenden müssen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Die Modernisierung ist somit zu einer Frage des wirtschaftlichen Überlebens geworden. Allerdings steigt gleichsam der gesellschaftliche Druck. Immer mehr Umweltbewegungen sowie NGOs gründen sich in Russland. Anzeichen für eine positive ökologische Veränderung gibt es also und die muss weiter gefördert werden.