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Michail Sergejewitsch Gorbatschow

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WIRTSCHAFT
2012-03-01
Neue Kunden - mehr Profit?
 

In den letzten Jahren bemühten sich die zentralasiatischen Staaten Turkmenistan, Kasachstan und Usbekistan, aber auch Aserbaidschan, neue Kunden neben Russland für ihr Erdgas zu finden. Ihr Ziel ist es, in Zukunft das Erdgas zu europäischen Preisen verkaufen zu können. Wie aussichtsreich sind diese Pläne? Ein Hintergrundartikel von Yulia Stevenson

Die nachgewiesenen Erdgasreserven des zentralasiatischen Raumes betragen 13,2 Billionen Kubikmeter oder circa sieben Prozent der Weltreserven – mögliche erschließbare Erdgasvorkommen könnten sogar bei circa 30 Billionen Kubikmeter liegen. 2030 könnte das Exportpotential dieser Länder 160 Milliarden Kubikmeter betragen. Das würde beispielsweise ausreichen, um mehr als die Hälfte des gesamten Bedarfs Chinas an Gasimporten in Höhe von 240 Milliarden Kubikmeter zu decken.

Wer hat wie viel Gas?

Über die größten Erdgasreserven im zentralasiatischen Raum verfügt Turkmenistan mit etwa acht Billionen Kubikmetern, wovon allein auf die Reserven des 2006 entdeckten Yolotan-Osman Feldes sechs Billionen Kubikmeter Gas entfallen. Inzwischen wurden diese Schätzungen nach oben, auf bis zu 21,2 Billionen, korrigiert. Damit würden die gesamten Erdgasreserven Turkmenistans denen Katars entsprechen. Die nachgewiesenen Erdgasreserven in Kasachstan belaufen sich auf circa zwei Billionen Kubikmeter, das geschätzte Erdgasvorkommen liegt bei sechs Billionen Kubikmeter. Ein großer Teil des kasachischen Erdgases wird allerdings als Nebenprodukt bei der Erschließung von Erdöl gewonnen und ist deshalb stark von Investitionen in die Produktion des Erdöls abhängig.

Obwohl die nachgewiesenen Reserven Usbekistans mit 1,7 Billionen Kubikmeter nur unbedeutend geringer sind als die in Kasachstan, wird Usbekistan wegen des hohen einheimischen Bedarfs der kleinste Gasexporteur in Zentralasien bleiben. Aserbaidschan gehörte noch vor zehn Jahren zu den Erdgasimporteuren. Die Entdeckung des Shah Deniz-Feldes 1999, eines 1,4 Billionen Kubikmeter großen Offshore-Gasfeldes im Kaspischen Meer, machte Aserbaidschan zum Erdgasexporteur.

Russland als bisheriger Abnehmer

Im ersten Jahrzehnt nach der Auflösung der UdSSR ließ die russische Regierung nicht zu, dass Turkmenistan sein Erdgas durch die russischen Pipelines nach Europa exportierte, um die eigenen Exporte nicht zu gefährden. Somit wurde Turkmenistan gezwungen, sein Erdgas an Russland und andere GUS-Staaten zu niedrigen Preisen zu verkaufen.

Auch während der Regierungszeit von Wladimir Putin sollten direkte Exporte aus den zentralasiatischen Staaten nach Europa und China verhindert werden, damit Russland seine Bedeutung auf dem Weltmarkt ausbauen konnte. Zu diesem Zweck schloss 2002 bis 2003 Russland mit Usbekistan sowie Turkmenistan Abkommen ab, in denen sich die beiden Staaten verpflichteten, die gesamten freien Kapazitäten an Erdgas nach Russland zu exportieren. Im Fall Usbekistans wären dies bis zu 16 und im Falle Turkmenistans 80 bis 90 Milliarden Kubikmeter Gas. Russland war allerdings nur bereit, alle freien Kapazitäten zu kaufen, solange das Erdgas aus diesen Staaten nicht mehr als 100 bis 150 US-Dollar für 1.000 Kubikmeter kostete. Im Jahr 2009 verkaufte Gazprom sein Gas nach Deutschland für 318 US-Dollar für 1.000 Kubikmeter. Nachdem Turkmenistan 220 US-Dollar für 1.000 Kubikmeter verlangt hatte, gingen die turkmenischen Exporte nach Russland drastisch zurück und betrugen statt der vereinbarten 80 bis 90 nur 10,5 Milliarden Kubikmeter in 2010.

Exporte nach Ostasien

Seit der Eröffnung der Erdgaspipeline von Turkmenistan über Kasachstan und Usbekistan nach China Ende 2009 ist China zu einem weiteren wichtigen Erdgasimporteur für das zentralasiatische Gas geworden. Die ursprüngliche Kapazität dieser Pipeline sollte circa 30 Milliarden Kubikmeter Erdgas jährlich betragen. Laut neuen Angaben der chinesischen staatlichen Ölgesellschaft CNPC wird die Kapazität dieser Pipeline auf 65 Milliarden Kubikmeter jährlich ausgebaut. 30 Milliarden Kubikmeter sollen schon ab dem Jahr 2012 aus Turkmenistan nach China fließen. Sobald die geplante volle Kapazität im Jahr 2015 erreicht wird, transportiert diese Pipeline neben 40 Milliarden Kubikmetern turkmenischen Erdgases auch zwölf bis 15 Milliarden aus Kasachstan und zehn aus Usbekistan in die Volksrepublik.

Aufgrund der Energiepartnerschaft mit Chinesen sind die zentralasiatischen Staaten in einer besseren Verhandlungsposition gegenüber Russland: Sie können höhere Preise für ihre Erdgasexporte nach Russland verlangen. Diese Zusammenarbeit hat für die zentralasiatischen Staaten jedoch einen Nachteil: Die Preise, welche China für die Erdgasexporte zu zahlen bereit ist - man spricht von 150 US-Dollar für 1.000 Kubikmeter - sind deutlich niedriger als die Preise auf dem europäischen Markt, Deutschland zahlt seit Juli 2011 mehr als 400 US-Dollar für 1.000 Kubikmeter russisches Gas, aber höher als die russischen Angebote.

Die zentralasiatischen Staaten wollen allerdings nicht nach der „Befreiung von Russland“ in die Abhängigkeit von China geraten und suchen deswegen nach weiteren Kunden in Ostasien: Im Gespräch ist eine Pipeline, die turkmenisches Gas nach Afghanistan, Pakistan sowie Indien bringen soll.

Die Europäische Union als zukünftiger Kunde

Um auf Dauer bessere Preise für Erdgasexporte nach Russland und Asien auszuhandeln, brauchen die zentralasiatischen Staaten die Europäische Union als Kunden. Aus diesem Grund bemühen sie sich um den Ausbau der Infrastruktur nach Europa.

Da der Bau der Nabucco-Pipeline immer wieder verschoben wurde, entschied sich Aserbaidschan, sein Schicksal in eigene Hände zu nehmen: Am 26.12.2011 unterschrieben Aserbaidschan und die Türkei eine Absichtserklärung über den Bau der Trans-Anatolischen Pipeline, durch die das Erdgas vom Feld Shah Deniz nach Europa fließen soll. Dieses fünf Milliarden Dollar teure Pipelineprojekt soll schon ab dem Jahr 2017 sechs Milliarden Kubikmeter Erdgas in die Türkei und weitere zehn Milliarden durch das türkische Territorium via Interconnector nach Griechenland und Bulgarien transportieren. Die Kapazität dieser Pipeline kann später auf 24 Milliarden Kubikmeter ausgebaut werden.

Damit aber auch Turkmenistan sowie Kasachstan ihr Erdgas in Richtung Europa unter Umgehung Russlands exportieren können, muss zuerst die Infrastruktur in der Region selbst ausgebaut werden. Im Juni 2010 begann Turkmenistan mit dem Bau der Ost-West-Pipeline, durch die ab 2015 circa 30 Milliarden Kubikmeter Gas aus dem Osten des Landes zum Kaspischen Meer gepumpt werden können. Darüber hinaus verhandeln Kasachstan, Turkmenistan und Aserbaidschan über den Bau der Infrastruktur, welche das turkmenische und kasachische Erdgas durch das Kaspische Meer zunächst nach Aserbaidschan bringen soll. Von Aserbaidschan aus könnte das Erdgas weiter nach Europa geleitet werden.

Ausblick in die Zukunft

Die Europäische Kommission plädiert für mehr Engagement bei der Zusammenarbeit mit den Gasproduzenten, sodass sie stärker an die EU angebunden werden. Aus diesem Grunde müssen die Mitgliedsstaaten selbst und auch die Europäische Kommission mit den Gaslieferanten und den Transitländern einen intensiveren Dialog führen. Dadurch werden Vereinbarungen über Liefermengen erzielt, die man für die Entstehung des Südlichen Transportkorridors braucht.

Die Bemühungen der Europäischen Union und der zentralasiatischen Staaten deuten darauf hin, dass die Infrastruktur vom Kaspischen Becken bis Europa ausgebaut wird. Davon werden die Akteure stark profitieren: Die EU kann ihre Bezugsquellen diversifizieren, um weniger von Russland abhängig zu sein, die zentralasiatischen Staaten können ihr Erdgas zu marktgerechten Preisen verkaufen und höhere Profite erzielen.